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Das wichtigste öffentliche Gebäude unseres Gemeinwesens, Sitz der Stadtverwaltung und des Stadtgerichts, war von jeher das Rathaus, das man an bevorzugter Stelle so ziemlich im Mittelpunkt der alten Stadtanlage erbaut hatte. Das Rathaus wurde in den Jahren 1540/41 unter Herzog Wolfgang von Zweibrücken errichtet. Es ist ein Renaissancebau mit gotischen Motiven, die besonders bei der Ornamentik der Fensternischen im Innern in Erscheinung treten. Von der Erbauung des Rathauses zeugen folgende Ausgabenposten in den Gemeinderechnungen: Zu Anfang des Dreißigjährigen Krieges - 1623 - hatten die Spanier in unserm Rathaus übel gehaust und große Schäden verursacht, die mit erheblichen Kosten behoben werden mussten. In der schlimmen Zeit des großen Krieges ist ihm dann weiterhin übel mitgespielt worden. Das Rathaus mag seinerzeit wohl starke Beschädigungen erlitten haben; es ist jedoch im Kern, vor allem in seinem Mauerwerk, erhalten geblieben und konnte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts unter Wahrung seiner ursprünglichen Gestalt wieder hergestellt werden. Ein Neubau, der die Folge einer gänzlichen Niederbrennung hätte sein müssen, würde andere Formen zeigen. Die Wiederherstellungsarbeiten scheinen - wohl in Ermangelung der Mittel - dürftig gewesen zu sein; denn 1775, unter kurpfälzischer Verwaltung, sah man sich abermals zur Erneuerung des Rathauses genötigt. Dabei wurde, dem Rationalismus jener Zeit entsprechend, manches an dem Bauwerk verpfuscht. Man mauerte die alte Eingangspforte mit dem gotischen Spitzbogen zu, setzte an der Strassenseite eine neue Tür, die nicht zum Stil des Gebäudes passte und legte das gesamte Mauerwerk unter Verputz. Im Jahre 1910 wurden diese Verirrungen und Verunstaltungen beseitigt und das alte schöne Bild des Rathauses möglichst wieder hergestellt. Damals wurde auf der Fläche eines blinden Fensters an der Stirnseite des Rathauses eine Tafel mit Daten aus der Geschichte Odernheims angebracht. Zu erwähnen ist auch die alte Rathausuhr, die aus dem 18. Jahrhundert stammt und noch immer funktionsfähig ist. Das Zifferblatt dieser Uhr zeigt zur Hauptstrasse hin. Das Schlagwerk ist mit der uralten Glocke vom Disibodenberg verbunden, die im kleinen Rathausturm hängt.
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